Wer sich eine Webseite genauer anschaut, stößt nicht selten auf einen oder gleich mehrere Banner. Klickt ein interessierter Besucher auf den Banner, bekommt der Webmaster von dem Werbetreibenden ein paar Cents für jeden erfolgten Klick. Das nicht jeder Klick einen wirklich interessierten Besucher vermittelt dürfte verständlich sein. Wer ist nicht durch ein Springen des Mauszeigers schon einmal auf einer Seite gelandet, die man nicht besuchen wollte? Manche Besucher scheinen auch alle Links die sich innerhalb eines Artikels - oder kurz darunter - anzuklicken. Für Werbetreibende sind dies sicherlich nicht die lukrativsten Kunden - aber das liegt an den Gewohnheiten der User. Manchmal ist auch schlicht weg nicht zu erkennen, ob es sich um einen Werbelink handelt oder um einen konventionellen, redaktionell gesetzten Link.
Doch es gibt nicht nur Klicks die mehr oder weniger ineffektiv sind (z.B. weil das Fenster in wenigen Sekundenbruchteilen wieder geschlossen wird...), sondern auch wirkliche Bot-Netzwerke die nur dem Zweck dienen Klicks zu generieren. Wenn Klicks einfach Einnahmen entsprechen ist das sicherlich auch auf den ersten Blick lukrativ für Bot-Netzwerkbetreiber dort aktiv zu werden.
Nun wurde aber am Montag ein kurzer Artikel in dem Netzine Computer-Zeitung über Bot-Netze veröffentlicht. In diesem Artikel wird, mit Berufung auf einer externen Studie, behauptet die Klickbetrugsquote würde bei durchschnittlich 16 Prozent liegen.
16 Prozent. Das ist eine ganze Menge. Gerade wenn man bedenkt das es auch durchaus seriöse Webportale, Blogs und Netzines gibt, die eine sehr große Reichweite haben. Dort werden wohl kaum Bot-Netze aktiv sein, um die Klicks auf die Banner zu erhöhen. Wobei es Ausnahmen geben mag.
Doch im Fall von Google Adsense Programm und Yahoos Publisher-Programm spricht man im Computer-Zeitung Artikel sogar von Klickbetrugraten von 27 bis 28 Prozent. Das wäre über ein Viertel aller Klicks. Doch wie sollen so viele unseriöse Klicks zustande kommen, wenn nicht auf Seiten mit größerer Reichweite?
Das ganze Web ist voll mit lauter, kleineren Seiten. Unter anderem auch diesen Blog (wobei hier kein Adsense oder andere Werbebanner eingesetzt werden). Doch das Web ist viel zu gemischt um eine Aussage darüber zu treffen wer betrügt und wer nicht. Ich vermute mal, das viele - wenn nicht gar nahezu alle - Blogger sich zu schade sind Klickbetrug zu begehen.
Woher kommen also die unsauberen Klicks? Prinzipiell könnte jeder ein Bot-Netzwerk betreiben. Technisch sicherlich gar nicht mals so anspruchsvoll - zumindest bis zu einem gewissen Level. Doch Google, Werbevermittler im Internet Nummer 1, hat viele Informationen und die könnte man zum Aufspüren von Klickbetrug effektiv nutzen. Google ist die Suchmaschine schlecht hin. Kaum eine Seite wird besucht ohne das vorher die Google Suchmaske auf dem Bildschirm erschienen ist. Das lässt sich verwerten. Auch werden die Google-Anzeigen sicherlich nicht sofort angezeigt sondern erst nach einer gewissen Zeit (es könnten wenige Sekunden sein - aber auch Sekundenbruchteile...).
Google hat zu all diesen Belangen Informationen. Viele Informationen. Da muss es doch geradezu auffallen, falls eine Seite die nur aus wenigen Inhaltsseiten besteht, die vielleicht zehn Besucher am Tag über Google bezieht pro Tag Werbeeinnahmen von mehreren hundert Dollar verzeichnet. Die Besucher der Seite sind zudem ziemlich flink, in weniger als einem Bruchteil einer Sekunde haben sie schon die Anzeigen angeklickt. Bis auf zehn Ausnahmen. Das Beispiel ist utopisch - aber es kann verdeutlichen, das Google einige Informationen hat, mit deren Hilfe der Konzern Klickbetrug leicht aufdecken kann (und vermutlich ohnehin tut).
So werden Google-Adsense Anzeigen auf unzählig vielen Webseiten angezeigt. Große Webportale mit einer professionellen Redaktion setzen Googles Adsense ebenso ein wie private Webmaster. Insgesamt erzeugen diese unzählige Views und damit - trotz eventueller Klickbetrüger - einen insgesamt relativ natürliche Datensatz. Wenn die Zeitdauer zwischen Anzeigeneinblendung und Klick von dem Durchschnitt stark abweicht ist das normal. Wenn das aber immer der Fall ist und man die Durchschnittszeit unterschreitet, ist das sicherlich merkwürdig und ein Indiz (kein Beweis!) dafür, das hier etwas merkwürdig ist.
Zudem hat Google auch auf einen wunderbaren Datenpoo Zugriff, in denen man die geografischen Gegebenheiten anhand einer Seite und dessen Nutzer vergleichen kann. Schauen sich hunderter Menschen aus dem Iran mit dem Firefox 2, eine Seite aus Nordirland, welche auf japanisch geschrieben ist (....) könnte ebenfalls etwas nicht stimmen. Zudem ist es auch auffällig wenn mehrere User von einem ähnlichen IP-Bereich auf eine spezielle Seite zugreifen und ansonsten auf keiner anderen Seite (von denen Google Daten hat) auftaucht...
Klickbetrug - ob es sich lohnt oder nicht, sei dahingestellt - ist enorm aufwändig, zumindest sobald es über ein Amateur-Niveau hinausgeht und Google oder andere Werbetreibende die Daten genau überprüfen.
27 Prozent Klickbetrug halte ich deshalb für etwas utopisch. Vielleicht 27% versuchter Klickbetrug, schließlich werden nicht wenige Webmaster aus dem Adsense Programm ausgeschlossen. Wer dazu etwas lesen möchte, sollte das Abakusforum besuchen.