Montag, 7. Juli 2008
Bei BlickBlog, einem sehr neuen Blog, gibt es eine Blogparade zum Thema Web 2.0 und Usability. Da ich ein Faible für Blog-Paraden und ähnliches entwickelte habe, hier in aller kürze meine Antworten:
- Im Internet findet man so ziemlich alles, welche Dienste benutzt du wirklich häufig?
Dazu muss man selbstverständlich ersteinmal definieren, was als "Web-Dienst" gilt und was nicht. Das ist inzwischen gar nicht mehr so einfach. So würde ich spontan Mailanbieter, Onlinebanking, Online-Auktionen, Webseiten-Analyse-Tools die nur durch das Verwenden eines Browsers nutzbar sind als Web-Dienst deklarieren mögen. Alle anderen Dienste (Cronjobs* via Software, etc.) würde ich hingegen nicht dazu zählen wollen.
In absteigender Reihenfolge benutze ich folgende Dienste:
- Blogs (zumeist als Feed abonniert)
- Mails (werden per Browser abgerufen)
- Suchmaschinen (Google und Yahoo)
- Diverse Wiki (Wikipedia und das Gimp-User-Wiki)
- Onlinebanking (verschiedener Banken)
- Besucher-Analyse Tools (Google Analytics)
- Fotocommunites (Fotocommunity.de, Flickr & Sevenload)
- Online-Shopping und Handelsplattformen
- Vereinzelt weitere Dienste
- Wofür benutzt du diese Dienste?
In erster Linie für den "üblichen Zweck". Jeden einzelnen Dienst hier aufzuzählen und über die Nutzung zu debattieren, wäre vom Umfang her etwas sehr, sehr viel.
Kleine Randbemerkung: Cronjobs ermöglichen das zeitliche Steuern von Vorgängen, so könnte ich mit Hilfe eines Cronjobs beispielsweise diesen Beitrag automatisch um 04:00 veröffentlichen, ohne vor dem Rechner seien zu müssen.
- Wünscht du dir Alternativen zu diesen Diensten?
Abgesehen von Google Analytics und eventuell Google/Yahoo als Suchmaschinen scheint es für fast alles eine Alternative zu geben. Problematisch ist jedoch, dass im Internet auch abseits von Googles Rechenzentren, relativ viele Daten an wenigen Orten zentral gesammelt werden. So dürfte man auch bei United-Internet (1&1, GMX, Web.de) ein beträchtliches Portfolio an Nutzerdaten haben.
- Reicht dir der Funktionsumfang schon aus oder erwartest du mehr?
Teilweise sind die Funktionen schon etwas sehr verspielt, der Nutzen hält sich teilweise recht stark in Grenzen. Schlanke Bedienungsoberflächen wären teilweise recht erstrebenswert, auch wenn dies nicht immer leicht durchzusetzen ist. Ich habe gestern versucht bei eBay meine Kontoverbindung zu verändern - das richtige Menü hatte ich zwar gefunden, bei der Suche nach dem richtigen Unterstichpunkt habe ich jedoch innerlich verzweifelt. Gerade deshalb sollte man Eigennamen und kreative Wortschöpfungen möglichst bei der Werbung belassen. Ich für meinen Teil weiß gerne vorher was mich auf der verlinkten Seite erwartet. Frei nach der Usability-Grundregel: "Don't let me think".
- Was für ein Dienst fehlt dir noch?
Schwer zu sagen. Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich einmal Wikis oder Online-Banking unbedingt benötige. Ich gehe aber einfach mal davon aus, dass auch das Web sich nicht anders verhält als die reale Welt. Angebot und Nachfrage ist eine Wechselseitige Beziehung, soll in diesem Fall heißen: Neue Web 2.0 Angebote werden sich ihre eigene Nachfrage schaffen. Im "echten Leben" funktioniert das nicht anders.
- Denkst du das Internet wird in Zukunft zur Jobbörse Nummer 1 werden oder sind traditionelle Berufe weiterhin Anführer?
Das Web wird sicherlich das Leben noch vielmehr verändern, als wir glauben. Aber auch anders als wir es uns vielleicht vor einigen Jahren noch vorgestellt haben. So werden vermutlich in Zukunft die Berufe flexibler und wechselseitiger sein. Schöne Modewörter wie "Prosumer" (ein Kunde der in den Produktionsablauf eingebunden ist - und dadurch selbst zum Produzenten wird) werden uns noch öfter begegnen. Branchen werden sich verändern und die Spezialisierung im (Web)-technischen Bereich wird noch weiter zunehmen. Dennoch - auch die modernste Web2.0-Agentur wird einen Klempner benötigen, wenn die Wasserleitung zur Kaffeemaschine nicht mehr funktioniert. Eventuell wird auch Heimarbeit zunehmen. Warum auch nicht? Während früher Verbindungen ins Netz teuer waren, heute hingegen Spritpreise explodieren und Unternehmen immer öfter das magische Wort "Outsourcing" fallen lassen. Natürlich gibt es auch noch eine Menge Berufe für die Heimarbeit/Tele-Arbeit gar nicht in Frage kommt.
Daneben wird das Internet vermutlich auch bei den Löhnen für mehr Transparenz sorgen. Job-Börsen werden vermutlich auf kurze oder lange Sicht sich entweder spezialisieren (z.B. nach Fachgebiet oder nach Region) müssen und Unternehmen können es sich vielleicht schon in wenigen Jahren sparen für ein kleines Vermögen eine einfache Stellenanzeige aufzugeben. Nicht zuletzt, weil sich Preise im Web viel leichter vergleichen lassen als jemals zuvor.
- Inwieweit wird sich das Internet von morgen von dem heutigen unterscheiden?
Mehr Nutzer, mehr Regeln, mehr Netiquette und mehr Selbstverständlichkeit. Der Sonderstatus eines neuen Mediums wird irgendwann auch vergessen sein. Mit allen Vor- und Nachteilen.
- Begriffe wie “Web 3.0? oder “Internet 2? fallen des öfteren. Wie würdest du sie definieren?
Es kommt natürlich darauf an, wie man Web2.0 definiert. Wenn das Web1.0 die technische Voraussetzung war und das Web2.0 die Einbindung der Nutzer dann wird vermutlich das Web3.0 die Verbindung mit dem Alltag sein. Es ist natürlich schwierig zu sagen wie Das aussehen wird, aber vermutlich sind wir schon auf dem Weg dahin.
- Dein individueller Schlusssatz?
Eine Kurze Zusammenfassung: Viel Verändert sich nicht mit dem Web, technische Spielereien werden kommen und von neuen abgelöst. Die große Frage ist: Was wird von dem Nutzer akzeptiert, was nicht und in wie weit greift das Netz in unser Leben ein?
|